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ABC-Analyse im Lager | OHRA

Die ABC Analyse verbessert Lagerprozesse: kürzere Wege, geringere Kosten und mehr Effizienz. Jetzt optimieren!

ABC-Analyse im Lager

Bereits in den 1950er-Jahren suchten wissbegierige Ökonomen nach Wegen, um knappe Ressourcen effizienter einzusetzen. Daraus entwickelte sich das ABC-Verfahren, welches später auch Einzug in die Lagerlogistik hielt. Ihr Kern ist einfach: Nicht alle Artikel sind gleich wichtig. Einige wenige beeinflussen Umsatz und Gewinn am stärksten. Andere hingegen binden weniger Kapital und erfordern weniger Aufmerksamkeit.

Die ABC-Analyse zeigt Lagermitarbeitenden sofort, welche Güter sie häufig bewegen und deshalb in Griffnähe lagern sollten und welche sie nur selten benötigen. Sie macht die Unterschiede in Umsatzanteil, Umschlagshäufigkeit und Priorität deutlich.

ABC-Analyse in der Lagerhaltung nach A, B und C

Die ABC-Analyse im Lagerbetrieb geht auf das Pareto-Prinzip zurück. Viele kennen es auch als 80/20-Regel. Es besagt, dass ein kleiner Teil der Artikel (etwa 20 %) in der Regel für den Großteil des Umsatzes oder Warenumschlags (rund 80 %) verantwortlich ist. Ebenso kann es sich aber auch auf den Verbrauchswert, die Kapitalbindung oder andere Kennzahlen beziehen. Daraus ergibt sich eine Einteilung der Bestände in drei Klassen:

A-Güter

A-Güter machen nur einen geringen Teil des Sortiments aus – meist etwa 20 % –, sind aber für bis zu 80 % des (z.B. Umsatzes) verantwortlich. Typische Vertreter sind Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Metallverarbeitung. Dort spielen wertintensive Bauteile, Elektrowaren oder Ersatzteile eine zentrale Rolle. 

B-Güter

Diese Waren liegen im Mittelfeld. Sie stellen einen Mengenanteil von etwa 30 % dar, sind aber beispielsweise weniger umsatzstark. Mitarbeitende greifen immer wieder auf Standard-Bauteile oder Werkzeuge zurück, benötigen sie allerdings nicht in jedem Arbeitsgang.

C-Güter

Sie umfassen die größte Anzahl an Artikeln (häufig bis zu 50 % der Vorräte), tragen jedoch nur wenig zum Umsatz bei. Es handelt sich überwiegend um Produkte mit geringem Wert oder niedriger Umschlagshäufigkeit. Dazu gehören zum Beispiel Schrauben, Kleinteile oder Verpackungsmaterial.

Kennzahlen der ABC-Analyse

Damit die ABC-Analyse im Lager nicht nur eine theoretische Übung bleibt, sondern konkrete Ergebnisse liefert, braucht sie klare Kennzahlen und eine stetige Bestandskontrolle. Sie lassen sich grob in betriebswirtschaftlich relevante und operative Kennzahlen unterteilen.

Betriebswirtschaftlich relevante Kennzahlen

Wertanteil

Der Wertanteil beschreibt, wie groß der Anteil eines Artikels am gesamten Lagerwert ist. A-Güter machen oft nur einen geringen Teil der Menge aus, stehen aber für den größten Anteil des Werts. Sie binden das meiste Kapital und haben somit den größten Einfluss auf Umsatz und Gewinn.

Gesamtwert

Der Gesamtwert – auch Bestandswert genannt – umfasst die Summe aller Lagerbestände. Er bildet die Grundlage für die Klassifizierung in A-, B- und C-Güter. Unternehmen vergleichen dabei den Wert einzelner Artikelgruppen mit dem gesamten Bestandswert, um ihre Priorität zu bestimmen.

Kapitalbindung

Jeglicher Lagerbestand bindet Kapital. Je höher der Warenwert eines Artikels, desto größer ist auch die Kapitalbindung. Besonders A-Güter sind hier entscheidend, da sie häufig hohe Summen im Lager blockieren. Diese Kennzahl ist wichtig für die Liquiditätsplanung und die strategische Steuerung.

Gewinnspanne

Neben dem reinen Umsatz kann auch die Gewinnspanne relevant sein. Manche Waren generieren zwar hohe Umsätze, sind aber aufgrund ihrer hohen Stückkosten wenig rentabel. Deshalb berücksichtigen Unternehmen in der Praxis oft zusätzlich den Deckungsbeitrag, um die wirklich profitablen Artikel im Blick zu behalten.

Operative Kennzahlen

Mengenanteil

Der Mengenanteil gibt an, wie viele Waren einer bestimmten Gruppe im Vergleich zum Gesamtbestand vorhanden sind. Typisch ist, dass C-Güter die Mehrheit dieser Waren ausmachen, aber nur einen geringen Wertanteil haben. Diese Kennzahl hilft dabei, Lagerflächen sinnvoll zu planen und Überbestände zu vermeiden.

Umschlagshäufigkeit

Die Umschlagshäufigkeit zeigt, wie oft eine Ware innerhalb eines bestimmten Zeitraums bewegt oder verkauft wird. Güter mit hoher Umschlagshäufigkeit sollten daher in direkter Nähe zum Warenausgang gelagert werden. Bei Beständen mit niedriger Umschlagshäufigkeit reicht eine platzsparende Lagerung in Randbereichen.

Sicherheitsbestand

Der Sicherheitsbestand beschreibt die Mindestmenge, die immer im Lager vorhanden sein muss, um Lieferengpässe zu verhindern. Gerade bei Gütern, die für den Produktionsprozess oder den Umsatz entscheidend sind, ist ein ausreichend hoher Sicherheitsbestand unverzichtbar.

Lagerkosten

Jeder Lagerplatz verursacht Kosten – vom Strom über Personal bis zur Miete. Diese werden als Lagerhaltungskosten erfasst. Besonders bei B- und C-Gütern mit geringem Wertanteil lohnt sich eine genaue Analyse, da überhöhte Bestände unnötig Kapital und Platz binden.

Servicegrad

Ein wichtiger Indikator für die Lagerpraxis ist der Servicegrad. Er beschreibt, wie zuverlässig das Lager die Nachfrage decken kann. Häufige Fehlbestände bei A-Gütern wirken sich sofort negativ auf den Umsatz aus, während ein Engpass bei C-Gütern meist weniger gravierend ist.

Anwendung der ABC Analyse im Lageralltag

Erst wenn Unternehmen die Ergebnisse der ABC-Analyse konsequent anwenden und ihr Lager entsprechend gestalten, profitieren sie von den Vorteilen der Methode. Wer A-, B- und C-Güter richtig platziert, verkürzt Wege, beschleunigt Abläufe und spart dadurch wertvolle Zeit. Gleichzeitig sorgt die Einteilung dafür, dass Mitarbeitende noch effizienter arbeiten können.

Lagerlayout anpassen

A-Güter gehören in die Nähe von Warenausgang und Kommissionierbereichen, damit sie jederzeit schnell erreichbar sind. B-Güter finden ihren Platz in mittleren Zonen, während C-Güter auf oberen Ebenen oder in weiter entfernten Regalbereichen lagern können.

Zonierung des Lagers

Neben der Einteilung in A-, B- und C-Bereiche berücksichtigen viele Betriebe zusätzliche Faktoren wie Temperaturzonen, Gefährdungsgrad oder Artikelvolumen. So entsteht ein Lager, das nicht nur ökonomisch, sondern auch sicher und praktisch organisiert ist.

Warenbewegungen steuern

Die Belegschaft spart Zeit, wenn sie Waren über kurze Wege entnimmt, Transporte zügig durchführt und eindeutigen Routen folgt. Automatisierte Strukturen unterstützen sie dabei, Bestände automatisch in die passende Kategorie zu verschieben.

Welche Lagersysteme passen zur ABC-Methode?

Die beste Analyse bleibt wirkungslos, wenn sie nicht in die Praxis umgesetzt wird. Erst der richtige Regalaufbau ermöglicht es, A-, B- und C-Güter im Lager so zu platzieren, dass ihre Bedeutung jederzeit sichtbar wird. Klare Strukturen erleichtern die Orientierung, beschleunigen Prozesse und stellen die optimale Nutzung wertvoller Flächen sicher.

Direkt am Warenausgang

Damit A-Güter jederzeit bereitstehen, platzieren Unternehmen sie in unmittelbarer Nähe zum Versand. Palettenregale direkt am Warenausgang garantieren kurze Zugriffszeiten, schnelle Nachversorgung und minimale Transportwege. So sparen Mitarbeitende wertvolle Zeit und können sich auf die wichtigsten Produkte konzentrieren.

In Zwischenbereichen

B-Güter beanspruchen weniger Aufmerksamkeit als A-Güter, müssen aber regelmäßig verfügbar sein. Standard-Palettenregale oder Kragarmregale bieten hier die nötige Flexibilität: Angestellte können Waren schnell entnehmen, die Regale bei Bedarf anpassen und so auf wechselnde Anforderungen reagieren. Das sorgt für reibungslose Abläufe ohne unnötigen Platzverlust.

In Randbereichen

C-Güter benötigen Mitarbeitende nur selten, daher eignen sie sich ideal für Lagerplätze abseits der Hauptwege. Regalhallen oder Lagerbühnen bieten dafür die passende Lösung: Sie schaffen zusätzlichen Stauraum in der Höhe oder am Rand des Lagers und verhindern, dass wertvolle Flächen im direkten Arbeitsbereich blockiert werden. So bleibt genug Platz für die wichtigeren Artikel.

Automatisierung und ABC-Analyse

Die ABC-Analyse zeigt, wo Unternehmen ihre Aufmerksamkeit bündeln sollten. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass der Arbeitsaufwand gleichzeitig sinkt. Die ständige Aktualisierung der Daten und die manuelle Verwaltung der Warenbewegungen kosten Zeit. Mit Automatisierung lassen sich diese Aufgaben schneller, fehlerfrei und somit effizienter erledigen. So kann die Analyse ihren vollen Nutzen entfalten.

Schnelligkeit erhöhen durch Automatisierung

Shuttles und Fördertechnik bewegen Waren automatisch durch das Lager, ohne dass Beschäftigte manuell eingreifen müssen. Auf Schienen bewegen sich Shuttles durch die Regalzeilen, entnehmen Artikel und bringen sie direkt zu Übergabepunkten. Förderbänder oder Rollenbahnen transportieren die Güter anschließend nahtlos weiter – bis zur Kommissionierung oder zum Versand. Dadurch sinken Wartezeiten und A-Güter stehen deutlich schneller bereit.

Flexibilität sichern mit Verschieberegalen

Im Gegensatz zu starren Regalkonzepten passen Verschieberegale ihre Position flexibel an. Motorisierte Antriebe fahren die Regale bei Bedarf auseinander und geben automatisch den Gang frei, den Kollegen für den Zugriff benötigen. So minimieren Unternehmen ungenutzte Flächen und steigern die Effizienz bei B- und C-Gütern, deren Bestände sich häufig ändern.

Intelligente Steuerung durch Software

Ohne digitale Unterstützung müssten Mitarbeiter Änderungen manuell überwachen, Buchungen nachtragen und Prioritäten selbst festlegen. Ein Lagerverwaltungssystem übernimmt diese Aufgaben automatisch: Es weist Artikel den passenden Zonen zu, meldet Abweichungen sofort und passt die Einordnung laufend an. Damit sinkt der Aufwand der Bestandsverwaltung spürbar und Beschäftigte können sich stärker auf operative Tätigkeiten konzentrieren.

Grenzen und Erweiterungen im Lageralltag

Grenzen der Methode

In der täglichen Lagerpraxis zeigt sich, dass die ABC-Analyse allein nicht immer ausreichend ist. Sie liefert zwar eine klare Klassifizierung, blendet aber wichtige Aspekte aus. Ein Artikel mit niedrigem Wertanteil kann beispielsweise trotzdem kritisch sein, wenn er regelmäßig für die Produktion gebraucht wird. Die klassische ABC-Analyse bildet weder saisonale Nachfragespitzen noch schwankende Absatzmengen oder Lieferantenrisiken ab.

Erweiterungen in der Praxis

Deshalb setzen viele Betriebe auf Erweiterungen. Eine gängige Methode ist die Kombination mit der XYZ-Analyse, die Verbrauchsschwankungen sichtbar macht. Zusätzlich können Unternehmen Faktoren wie Sicherheitsbestand, Servicegrad oder Lagerkosten stärker gewichten, um Entscheidungen realistischer zu treffen. Mithilfe moderner Software lassen sich diese Kriterien automatisiert berechnen, sodass die Einteilung dynamisch bleibt und nicht mehr nur auf starren Vergangenheitswerten basiert.

Fazit: ABC-Analyse in der Logistik erfolgreich umsetzen

Die ABC-Analyse in der Lagerführung macht deutlich, welche Güter im Fokus stehen sollten und wo Unternehmen Ressourcen einsparen können. Bei Fragen zur Optimierung der Lagerverwaltung hilft das Team von OHRA weiter. Wer die Einteilung konsequent in Lagerlayout, Regalsysteme und Automatisierung überträgt, verkürzt Wege, reduziert Kosten und steigert die Effizienz im Alltag.

In Verbindung mit nachhaltigen Strategien entsteht ein noch größerer Mehrwert. Welche Maßnahmen den größten Hebel haben, zeigt unser Blogbeitrag zum nachhaltigen Lager