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Effizienter Lagerhallenbau ohne teure Nacharbeiten

Effizienter Lagerhallenbau beginnt beim Lagergut. Erfahren Sie hier, welche Anforderungen wirklich zählen.

rack-clad warehouse with cantilever racking

Stellen Sie sich zwei Lagerhallen vor, beide gleich groß. Gleiche Grundfläche, gleiche Höhe, gleiche Investition. Und doch läuft in der einen alles rund, während in der anderen täglich Zeit verloren geht: Paletten stehen im Weg, lange Profile lassen sich nur umständlich drehen, Fahrwege kreuzen sich, und die ungenutzten Quadratmeter mutieren zu Abstellflächen.

Doch der Unterschied entsteht nicht bei der Fassade. Er entsteht bei der Frage, was in der Halle passiert und was in die Halle hinein soll. Wer einen Lagerhallenbau plant oder eine Halle bauen lässt, startet am besten nicht mit dem Gebäude, sondern mit der Nutzung: Lagergut, Umschlag, Handling und Schutzanforderungen. Denn wenn Regalsysteme, Lasten und Materialfluss erst nachträglich berücksichtigt werden, werden aus Anpassungen schnell kostspielige Umbauten.

Dieser Beitrag nimmt eine Abkürzung durch die Komplexität im Lagerhallenbau. Wir schauen auf typische Branchen und Lagergüter und leiten daraus ab, welche Anforderungen an die Halle entstehen – und welche Lagertechnik dazu passt.

Lagerhallenbau planen: Anforderungen müssen klar sein

Bevor Sie Angebote vergleichen oder mit einem Hallenbauer in die Entwurfsplanung gehen, lohnt sich ein Schritt zurück: Was genau soll die Halle im Alltag leisten? Wer das Nutzungsprofil sauber definiert, spart sich später Diskussionen über „eigentlich bräuchten wir doch noch …“ und vermeidet teure Nacharbeiten an Boden, Toren, Verkehrswegen oder Lagertechnik.

1) Lagergut: Was lagern Sie – und in welcher Form?

Ob Langgut, Palettenware, Platten, Schüttgut oder ein Mischlager: Das Lagergut entscheidet über Traglasten, Regalsysteme, Gangbreiten und Handlinggeräte. Profile und Balken brauchen andere Zugriffsflächen als palettierte Kartons. Plattenmaterial stellt andere Anforderungen an Schutz und Entnahme als Schüttgut in Big Bags.

2) Umschlag: Pufferlager oder tägliche Bewegung?

Lagern Sie hauptsächlich ein und aus oder wird kommissioniert? Gibt es starke Spitzen, Saisonware oder projektbezogene Einlagerungen? Und ist Cross-Docking ein Thema – also Waren, die nur kurz durchlaufen und gar nicht „richtig“ eingelagert werden? Je nach Umschlag ändern sich das Layout, die Zonen (Wareneingang, Bereitstellung, Versand) und die sinnvolle Platzierung von Toren und Fahrwegen.

3) Bestandsstrategie: Wie soll Ware fließen?

Auch im Lagerhallenbau ist die Frage wichtig, nach welchem Prinzip Sie ein- und auslagern: FIFO (First In – First Out) ist oft sinnvoll bei alterungs- oder chargenrelevanten Gütern. LIFO (Last In – First Out) kann bei bestimmten Stapel- oder Blocklager-Konzepten passen. Ebenso entscheidend ist die Wahl von statischer oder dynamischer Lagerung. Das beeinflusst nicht nur Prozesse, sondern auch die Art der Lagertechnik und die benötigte Transparenz im Lager.

4) Sicherheits- und Schutzbedarf: Was muss die Halle leisten?

Muss das Lagergut trocken, temperiert oder besonders gesichert stehen? Wie hoch ist die Brandlast, wie sensibel sind Oberflächen, wie relevant ist Diebstahlschutz? Diese Punkte wirken direkt auf Hallenhülle, Dämmung, Tor-Konzept, Beleuchtung – und auf die Frage, ob Bereiche getrennt werden müssen.

Merksatz für den Lagerhallenbau: Erst Nutzungsprofil, dann Hallenform.

Branchenanforderungen im Lagerhallenbau: Typische Stolpersteine vermeiden

Beim Bau einer Lagerhalle gibt es keine „One-size-fits-all“-Lösung. Zwei Unternehmen können die gleiche Quadratmeterzahl brauchen und trotzdem völlig unterschiedliche Anforderungen haben. Der Grund ist meist nicht der Bestand an sich, sondern das Handling: Länge, Gewicht, Oberfläche, Umschlag und Zugriffshäufigkeit. Wer branchentypische Stolpersteine früh kennt, kann sie in Hallenplanung und Lagertechnik direkt mitlösen.

Holzhandel/Holzverarbeiter/Holzbau

Typische Stolpersteine im Holzhandel: Überlängen und Bündelware brauchen Raum – nicht nur im Regal, sondern auch beim Rangieren. In der Planung fallen Tore oft zu klein aus oder liegen ungünstig für den Materialfluss. Später zeigt sich dann, dass Langgut sich zwar einlagern, aber nicht effizient bewegen lässt. Plattenmaterial ist ein zweites Thema: In der Planung scheint es nebensächlich, in der Praxis wird es aber schnell sperrig und anfällig für Beschädigungen oder Feuchte.

Worauf es ankommt:

  • Hallenlänge/-höhe konsequent aus den Längen der Ware und der Regalhöhe ableiten
  • Tore, Fahrwege und Rangierflächen so planen, dass Seitenstapler oder lange Ladeeinheiten sicher drehen können
  • Witterungsschutz und Feuchtemanagement mitdenken (gerade bei teiloffenen Bereichen)

Passende Ansätze:

Für Langgut sind Kragarmregale bzw. Kragarmregale für Langgut naheliegend; bei Außenlagerung oder witterungssensibler Ware bietet sich ein Kragarmregal mit Dach an. Für Plattenmaterial sind Vertikalregale/Spanplattenregale oft die sauberste Lösung, weil die Entnahme und Feuchtigkeitsschutz besser planbar sind.

Metallhandel / Maschinenbau & Metallverarbeiter

Im Metallhandel sind Güter selten „nur schwer“. Sie sind oft punktlastintensiv. Coils, Profile, Stabstahl oder Werkzeugträger belasten Boden und Regale anders als klassische Palettenware. Ein häufiger Fehler beim Lagerhallenbau: Statik und Bodenplatte werden nicht konsequent auf reale Lastfälle ausgelegt. Ein zweiter Klassiker ist der fehlende Schutz gegen Anfahrschäden: Gerade bei Kranbetrieb oder engem Fahrverkehr wird das schnell zum Sicherheits- und Kostenproblem.

Worauf es ankommt:

  • Lastannahmen (Regal- und Bodenlasten) früh definieren und statisch absichern
  • Kranbereiche, Sicherheitsabstände und Verkehrswege eindeutig festlegen
  • Anfahr-/Rammschutz und Sicherheitskonzept direkt ins Layout integrieren

Passende Ansätze:

Für hohe Lasten eignen sich Kragarmregale für Schwerlasten; für palettierte Komponenten oder Zubehör sind Palettenregale sinnvoll. Wenn Fläche knapp ist, können Verschieberegale zusätzliche Verdichtung ermöglichen – vorausgesetzt, der Materialfluss passt.

Baustoffe

Baustofflager sind oft komplex, da sie als Mischlager betrieben werden: palettierte Ware, sperrige Einzelpositionen, witterungssensible Materialien – alles nebeneinander. Wenn Hallenzonen nicht sauber geplant sind, entstehen unnötige Wege, Suchzeiten und „Abstellinseln“. Außerdem wird unterschätzt, dass die Kommissionierung Zugriff braucht, nicht nur Stellplätze.

Worauf es ankommt:

  • Outdoor/Indoor-Konzept: Was muss wirklich rein, was darf überdacht raus?
  • Schnelle Kommissionierung durch klare Wege und sinnvolle Zonen
  • Sortiment strukturieren, damit die Halle nicht zum Kompromiss für alles wird

Passende Ansätze:

Für sperrige Längen und Profile: Kragarmregal mit Dach. Für klassische Palettenpositionen: Palettenregale. Und wenn eine überdachte, robuste Lösung zwischen Außenlager und Halle gefragt ist, kann eine Regalhalle passen.

Alu/Kunststoff (Profile, Platten, empfindliche Oberflächen)

In der Alu-/Kunststoffbranche geht es beim Lagerhallenbau weniger um maximale Traglast, dafür oft um Qualität: Kratzer, Druckstellen, Verzug oder Verschmutzung. Wer Lagerzonen nicht sauber trennt oder Handlingwege zu eng plant, produziert Ausschuss. Und: Platten und lange Profile verhalten sich anders als kompakte Paletten – Durchbiegung und unsaubere Auflage sind echte Themen.

Worauf es ankommt:

  • Saubere, geschützte Lagerzonen (ggf. isolierte Bereiche, je nach Produkt)
  • Handling so planen, dass Oberflächen nicht unnötig in Kontakt kommen
  • Lagertechnik wählen, die Platten/Profile stabil führt und entnehmbar macht

Passende Ansätze:

Vertikalregale/Spanplattenregale für Plattenlagerung und ein Kragarmregal für Langgut für Profile sind hier oft die passende Kombination.

Hallenplanung im Lagerhallenbau

Im Lagerhallenbau entscheidet sich die Effizienz oft nicht an der Grundfläche, sondern an den Zentimetern darüber und dazwischen. Eine Halle kann großzügig wirken und trotzdem Stellplätze verschenken – oder Wege unnötig verlängern. Damit Hallengeometrie und Regalsystem wirklich zusammenpassen, lohnt sich ein Blick auf drei Stellschrauben: Höhe, Bewegungsflächen und Andienung.

1) Hallenhöhe vs. Regalhöhe: Die Höhe muss nutzbar sein

Viele Betriebe planen die Hallenhöhe nach „Standardwerten“. Das Problem: Regalhöhe, Sicherheitsabstände und Gebäudetechnik kommen später und fressen den Spielraum. Für den Lagerhallenbau heißt das:

  • Regalhöhe (z. B. Palettenregal oder Kragarmregal) ist nur ein Teil der Rechnung.
  • Dazu kommen Sicherheitsabstände, Beleuchtung, Träger/Unterzüge und – je nach Konzept – Sprinklerleitungen.
  • Wenn diese Bauteile ungünstig liegen, kann aus „8 Meter Höhe“ schnell „6,50 Meter nutzbar“ werden. Und das sind in der Praxis oft mehrere Regalebenen weniger.

2) Gangbreiten & Flurförderzeuge: Platz schaffen, wo Bewegung stattfindet

Gänge sind beim Bau einer Lagerhalle kein „Restraum“, sondern Arbeitsfläche. Entscheidend ist, welche Flurförderzeuge wirklich fahren: Frontstapler, Schubmaststapler, Seitenstapler, Kommissionierer – jedes System braucht andere Rangier- und Sicherheitsräume. Zu enge Gänge bremsen, zu breite verschenken Fläche. Die Kunst liegt in der Abstimmung: Regaltyp, Fahrzeug, Durchsatz und Sicherheitskonzept müssen zusammen gedacht werden.

3) Tore & Andienung:

Materialfluss schlägt Symmetrie. Bei der Hallenplanung im Lagerhallenbau wirkt eine symmetrische Lösung oft „schön“, ist aber nicht automatisch effizient. Tore, Rampen und Andienungszonen sollten dort sitzen, wo der Materialfluss sie braucht:

  • kurzer Weg von Wareneingang zu Puffer/Nachschub
  • klare Trennung von Wareneingang, Kommissionierung und Versand
  • ausreichend Vorzone zum Entladen, Umpacken, Prüfen und Bereitstellen Wer diese Zonen im Grundriss nicht einplant, organisiert sie später „irgendwo“ – und zahlt täglich mit längeren Wegen.

Wenn Sie sich tiefer in die Thematik einarbeiten möchten, empfehlen wir unseren Blogbeitrag zur Optimierung von Lagerprozessen.

Hallenkonstruktion und Regalsystem

Im Lagerhallenbau gibt es keine Pauschallösung. Eine konventionelle Stahlhalle ist ideal, wenn Sie vielfältige Nutzungsmöglichkeiten brauchen. Doch speziell bei schweren Lasten, Langgut oder Baustoffen führt die Kombination „Standardhalle plus Schwerlastregal“ oft zu unnötigen Kosten und Platzverlust durch doppelte Stützstrukturen.

Eine effiziente Alternative für hohe Lasten ist oft die sogenannte Regalhalle. Hierbei fungiert das Regalsystem selbst als Tragwerk. Dach und Wände werden direkt an den Regalständern befestigt.

Die Pluspunkte bei diesem Verfahren:

  • Weniger Schnittstellen: Da Regal und Hülle eine Einheit bilden, entfallen komplexe Abstimmungen zwischen Hallenbauer und Regallieferant. Die prüffähige Statik lässt sich direkt für das Gesamtwerk erstellen.
  • Kombinierte Tragkraft: Die Stahlprofile erfüllen zwei Aufgaben gleichzeitig. Sie tragen zuverlässig die schweren Lagerlasten und dienen zugleich als stabile Unterkonstruktion für Dach und Wand.
  • Schnellere Umsetzung: Da die Montage von Regalstruktur und Gebäudehülle in einem Schritt erfolgt, strafft das den gesamten Projektablauf und reduziert dabei die Bauzeit oft spürbar.

Sicherheit im Lagerhallenbau

Sicherheit wirkt in der Lagerhalle auf den ersten Blick wie ein Pflichtprogramm. In der Praxis ist sie ein ProduktivitätsfaktorEin durchdachtes Sicherheitskonzept verhindert Unfälle, reduziert Stillstand und schützt Lagergut, Regale und Gebäudetechnik vor teuren Schäden.

Entscheidend ist Anfahrschutz dort, wo täglich rangiert wird – an Regal- und Hallenstützen, in Torbereichen und an Kreuzungen. Statt später nachzurüsten, sollten Fahrwege, Übergänge und Schutzpunkte direkt im Layout mitgeplant werden. Lastschilder und eine klare Kennzeichnung von Gängen, Stellplätzen und Sperrflächen schaffen Orientierung, beugen Fehlbeladungen vor und halten Fluchtwege im Alltag frei.

Da Regale ständig belastet werden, gehört die regelmäßige Regalprüfung als fester Prozess dazu (Zuständigkeiten, Intervalle, Dokumentation). Bei teiloffenen Hallen oder Überdachungen sind zudem Korrosionsschutz und robuste Oberflächen besonders wichtig.

Fazit

Lagerhallenbau ist dann erfolgreich, wenn Halle und Lagertechnik von Anfang an zusammen gedacht werden. Wer erst baut und dann „passende Regale sucht“, verschenkt oft Höhe, Fläche und Prozessgeschwindigkeit – und zahlt später mit Umbauten.

Wenn Sie im Lagerhallenbau vermeiden wollen, dass aus einer Halle ein Kompromiss wird, lohnt sich eine frühe Abstimmung von Lagergut, Prozessen, Regalsystem und Hallengeometrie. Sprechen Sie mit uns: Wir unterstützen Sie bei der Branchen- und Bedarfsanalyse – und planen Regalsysteme so, dass sie zu Ihrer Halle (und Ihrem Alltag) passen.

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